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{Interpretation - DAS LÄCHELN}

Autoren: Meshack Asare
Illustrationen: Meshack Asare
Jahr: 1995
Verlag: Kreuz Verlag
Ort: Stuttgart
ISBN: 3-87975-904-1, 3-7026-5571-9
Sprache: Deutsch
Altersgruppe: (ab 7)

Ein älterer Mann steckt mit seinem Lächeln alle anderen Menschen an
und macht damit für alle das Leben schöner - und am Ende profitiert er selbst davon.

Die Hauptfigur ist ein älterer Mann namens Herr Kraus, der "ohne Zweck und Grund" lächelt und diese gute Stimmung verbreitet. Beschrieben wird in weiterer Folge vor allem das Lächeln das er an andere weitergibt. Die LeserInnen erleben, wie es sich immer weiter verbreitet und schließlich wieder bei Herrn Kraus ankommt, dem Hilfe von einem nunmehr freundlich gestimmten Schutzmann zuteil wird. Die Menschen, an die das Lächeln weiterge-geben wird, decken einen auffallend breiten Personenkreis ab. Dass wirklich alle Menschen damit gemeint sind, wird gegen Ende der Geschichte sogar noch explizit erwähnt und durch eine lächelnde Erde dargestellt. Die ganze Geschichte spielt sich an einem einzigen Tag ab - das ist auch schön am ersten und letzten Bild zu erkennen: Vom Morgen in einem kleinen Ort bis zum exakt gleichen Bild bei Nacht.

Der Text ist in einfachen Reimen geschrieben und ist vom Stil und Inhalt auf junge LeserInnen ausgerichtet: Der Text weist immer wieder auf Szenen, die in den Bildern dargestellt sind, hin und er erinnert damit teilweise an Aufgaben mit Suchbildern. Die Bilder sind somit in das Lesegeschehen integriert. Der Inhalt der Geschichte existiert - in leicht veränderter Form - auch in einem Gedicht von Kühner:

Pummerer, in morgendlich heiterer Ruh',
lächelt seinem Nachbarn Sommer zu.
Dieser, durch das Lächeln ebenfalls heiter,
gibt es an den Omnibusfahrer weiter,
der an die Zeitungsverkäuferin und die
an Dr. Müller-Zinn, Facharzt für Psychiatrie,
dieser an Schwester Elke vom Kinderhort,
diese an die Toilettenfrau - und so fort.

So kommt es schließlich irgendwann
abends gegen 6 Uhr am Schillerplatz an
bei einem im Augenblick traurig-tristen,
durch das Lächeln doch erheiterten Polizisten,
so dass er, als Pummerer den Verkehr blockiert,
den Verstoß nur mit einem Lächeln quittiert.

Ein interessantes Detail ist, dass "Herr Kraus" und "Pummerer" in den beiden Texten unterschiedliche Namen für dieselbe Hauptfigur sind.

Die meist großformatigen Bilder wirken wie ein vereinfachtes Abbild der Realität und erinnern an Zeichnungen aus einem Schulbuch für den Sachunterricht. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die vielen zusätzliche Details, die Kinder entdecken können, z.B. sehr viele Verkehrstafeln. Diese Details haben meist mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun - ich würde diese quasi als Bonusmaterial bezeichnen - sie können aber teilweise zum Nachdenken anregen und sind oft ironisch gemeint. Die Gesichtsausdrücke aller dargestellten Personen - oder auch Bilder von Personen - sind stets durch ein klar erkennbares Lächeln oder eine deutlich schlechte Stimmung geprägt. Sogar auf einer Verkehrstafel sieht man ein aufgemaltes Gesicht. Wütende bzw. schreiende Menschen sind ebenso zu finden, wie Verkehrsteilnehmer die einander "den Vogel" zeigen.


Mir gefällt beispielsweise die Ironie, dass eine sichtbar schlecht gelaunte Frau einen Smiley als Ohrring trägt. Ein besonderes Detail ist ein leicht beschädigtes Poster von der lächelnden Mona Lisa auf einer Wand. Für Kinder bleibt dieses Detail vielleicht unentdeckt - Erwachsene könnte es aber zu einem Schmunzeln anregen. Insgesamt ist das Buch viel tiefsinniger, als ich auf den ersten Blick vermutet habe. Ich bin überzeugt, dass sich auch Erwachsene sowohl durch den Text als auch die Bilder angesprochen fühlen.

Das Wort Frieden können wir im Adjektiv "zufrieden" entdecken. Wenn also jemand zufrieden ist, ist das eine Form des Friedens, die recht wenig beachtet wird. Wenn wirklich alle Menschen auf der Welt zufrieden lächeln würden, wären wir dem Frieden ein großes Stück näher gekommen.
Konflikt und manchmal sogar Kriege können aus unscheinbaren Ärgernissen entstehen für die wir alle mitverantwortlich sind. Das "entwaffnende Lächeln" sind mehr als nur eine Phrase. Dass es freilich nicht so leicht geht, wie das im Bilderbuch beschrieben wird, soll keinesfalls heißen, dass der Weg der falsche ist. Selbst wenn es nur bei einem Menschen funktioniert, ist das ein Erfolg. Der individuelle Frieden wird in diesem Buch als Ursprung des globalen Friedens dargestellt.

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